September 19, 2021
Der Spiegel des Gesichtsschmerzes

Der Spiegel des Gesichtsschmerzes

Schmerz ist eine subjektive individuelle Erfahrung. Das macht es für uns Mediziner manchmal schwer, es zu spüren. Dass dies manchmal ganz anders sein kann, zeigt die folgende Anamnese.

Die Krankengeschichte

Während meiner letzten Schicht in der Notaufnahme sah ich einen 22-jährigen Mann mit einer praktisch sauberen Vorgeschichte und ohne Medikamente. Im Laufe eines Tages hatte er perakut starke Schmerzen in der rechten Gesichtshälfte. Dieser ständige extreme Schmerz befand sich in der Schläfenregion, im Oberkiefer und vor dem Ohr. Da er weder auf Paracetamol noch auf Diclofenac ansprach, wurde er in die Hausarztpraxis überwiesen mit der Frage: Clusterkopfschmerz oder Trigeminusneuralgie (TN)?

In der Notaufnahme stöhnte er vor den stechenden Schmerzen auf, während bei der körperlichen und neurologischen Untersuchung keine offensichtlichen Auffälligkeiten festgestellt wurden. Normale Inspektion des Gesichts, gute Vitalzeichen, Temperatur 37,6 Grad Celsius. Keine Nackensteifigkeit. Kein Horner-Syndrom, kein rotes oder tränendes Auge oder Nasenausfluss. Berührungen führten zu keiner signifikanten Zunahme der Schmerzen. Auch waren keine TN-spezifischen Triggerpunkte identifizierbar. Kein pochender Schmerz über dem Sinus. Keine Schmerzen beim Schlucken. Auch das Öffnen des Mundes oder das Zusammenpressen der Zähne führte nicht zu einer Erhöhung. Zusätzliche Untersuchungen im Sinne von Labor (Infektion?, CRP=6), CT Gehirn mit Kontrastmittel (Abszess?) und CTA (CT Blutgefäße in Verbindung mit einer möglichen Dissektion), waren alle ergebnislos. Wir behandelten ihn ergebnislos mit s.c. Morphin, O2-Therapie (noch atypischer Clusterkopfschmerz ohne autonome Symptome?) und Carbamazepin (atypische sek. TN?). Was ist jetzt zu tun?

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